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Umfrage von Bitkom: Coronakrise ist Weckruf für Digitalisierung.

Die deutsche Wirtschaft kommt bei der Digitalisierung nur schleppend voran. Die aktuelle Coronakrise könnte jedoch Weckruf und Chance für Unternehmen sein. Darauf verweist der Digitalverband Bitkom. „Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer früh in Digitalisierung investiert hat, profitiert nun“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. 

Der Verband legte aktuell die Ergebnisse seiner noch vor Ausbruch der Coronapandemie durchgeführten Umfrage zum Stand der Digitalisierung der deutschen Wirtschaft vor. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bedeutung digitaler Technologien erkannt ist, die Umsetzung aber nur zögerlich läuft. So sehen 9 von 10 Unternehmen die Digitalisierung als Chance und nur 5 Prozent als Risiko. Für 2020 plante zum Zeitpunkt der Umfrage allerdings lediglich jedes vierte Unternehmen (24 %) Investitionen in digitale Geschäftsmodelle.

Es ärgere ihn, dass es erst die Coronakrise brauchte, um die Bedeutung der Digitalisierung aufzuzeigen, so Berg. „Die Investments hätten kommen müssen, als die Auftragsbücher voll waren“, kritisierte der Bitkom-Präsident. Dennoch sieht er die Krise als große Chance. Zunächst gehe es für die Unternehmen aktuell ums Überleben. „Aber jetzt können drastische Maßnahmen getroffen und alte, analoge Zöpfe abgeschnitten werden“, rät Berg dazu, bislang schwer durchsetzbare Entscheidungen zu fällen. Die Investments könnten später folgen. Klar sei: „Das Motto des ‚Weiter so‘ gilt nicht mehr.“

Energiewirtschaft erhält Schulnote „befriedigend“

Ausgedrückt in Schulnoten bewerten die rund 600 befragten Vorstände und Geschäftsführer den Stand der Digitalisierung ihrer Unternehmen im Durchschnitt mit „befriedigend“. Am schwächsten schneiden Betriebe der Größenordnung mit 100 bis 499 Mitarbeitern ab, sie geben sich die Note „ausreichend“. Befragt nach einer Benotung einzelner Wirtschaftszweige wurde die Digitalisierung der Energiewirtschaft im Durchschnitt mit „befriedigend“ (3,2) bewertet. Dabei blickte mehr als ein Drittel der Befragten positiv auf die Branche und urteilten mit „sehr gut“ (15 %) und „gut“ (22 %). Eine gleich große Gruppe steht am anderen Ende der Skala, 15 Prozent vergaben ein „mangelhaft“, 22 Prozent „ausreichend“. Dazwischen lagen 14 Prozent mit der Note „befriedigend“. 5 Prozent der Befragten vergaben die schlechteste Note „ungenügend“.

Innerhalb der gesamten Unternehmenslandschaft driftet der Umgang mit der Digitalisierung auseinander. Laut Umfrage haben mehr als drei Viertel bereits eine Digitalstrategie entwickelt. „Die 22 Prozent ohne Digitalstrategie, da mache ich mir Sorgen“, so der Bitkom-Präsident. Berg zufolge handelt es sich dabei vor allem um den Mittelstand. Während alle Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern angaben, eine Digitalstrategie zu haben, war dies bei der Größe 100 bis 499 Mitarbeitern nicht der Fall. „Wer nicht einmal für Teile seines Unternehmens eine Digitalstrategie aufgestellt hat, muss sich schon fragen lassen, ob er seine Existenz mutwillig aufs Spiel setzen will“, so Berg.

Datenschutz und Fachkräftemangel sind Hemmschuh

Diejenigen, die gewillt sind digitale Fortschritte zu machen, sehen sich wiederum Herausforderungen gegenüber. Jedes dritte Unternehmen (34 Prozent) gab an, Probleme zu haben, die Digitalisierung zu bewältigen. Die drei größten Hürden sind nach Ansicht der Unternehmen Datenschutzanforderung (79 Prozent), Anforderungen an die technische Sicherheit (63 Prozent) sowie fehlende Fachkräfte (55 Prozent). Dabei müsse aber unterschieden werden, wo diese Hürden auftreten. Dass Standard-Themen wie Home-Office nicht umgesetzt würden, habe nichts mit dem Fachkräftemangel zu tun, so Berg. Bei komplexen Themen wie Big Data oder Künstliche Intelligenz sehe das anders aus.

Dabei spielt Big Data eine überaus gewichtige Rolle. 90 Prozent sehen in dieser Technologie die größte Wettbewerbsrelevanz, gefolgt von Internet of Things (81 %). Die stärksten Zuwächse gegenüber vorherigen Bitkom-Umfragen verzeichneten Autonomes Fahren (68 %), Künstliche Intelligenz (67 %) und Blockchain (64 %). Bei der Umsetzung in den Unternehmen spiegelt sich diese Einschätzung aber nur bedingt wider. So setzen 62 Prozent Big Data ein oder planes dies. Die Blockchain-Technologie fristet mit 6 Prozent noch ein Nischendasein. „Hier fehlt es an konkreten Use-Cases“, so Berg. 

Quelle: energate