Albrecht: Digitalisierung wichtig für Energiewende

Die Windbranche im Norden trifft sich in schwierigen Zeiten: Kürzlich wurde das Moratorium für neue anlagen verlängert. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten aber mehr Anlagen gebaut werden, nicht nur im Norden. Dafür müsse gekämpft werden, findet eine Schülerin.

Husum (dpa/lno) – „Kämpfen Sie weiter für diese sogenannte Verspargelung der Landschaft“: Die Kieler Abiturientin und „Fridays for Future“-Aktivistin Leevke Puls hat am Donnerstag in Husum deutliche Worte für den Ausbau der Windenergie gefunden. Sie hat auf dem 4. Windbranchentag den gut 600 Branchenvertretern, Politikern und Interessierten ebenso wie die Pellwormer Biobäuerin und Biologin Silke Backsen als „Macher des Klimaschutzes“ erklärt, warum für sie die Energiewende wichtig ist. Beide wandten sich eindringlich an die Politik, endlich zu handeln. Zwar könnten alle etwas tun, „aber an den großen Stellschrauben kann nur die Politik drehen“, sagte Backsen, die gemeinsam mit anderen Familien die Bundesrepublik Deutschland auf Einhaltung der Klimaziele verklagt.

Der Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), Hermann Albers, warnte, die Chancen einer erfolgreichen deutschen Klimapolitik und der Erhalt einer starken Windbranche würden derzeit von einer inakzeptablen Genehmigungssituation gefährdet. „In einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Windenergiebranche, Bundes- und Landespolitik müssen hier Lösungen erarbeitet werden.“

Albers wies auf die international wachsende Nachfrage für die Zukunftstechnologie Windenergie hin. Diese müsse auch angesichts des schwächelnden Windenergiezubaus in Deutschland im Jahr 2018 mit einer nationalen und europäisch ausgerichteten Industriestrategie flankiert werden. „Wir brauchen jetzt den Rahmen für starke Investitionen in klimafreundlichere Produkte, Prozesse und Infrastrukturen sowie eine breit angelegte gesellschaftliche Diskussion um Ziele der Energiewende“, sagte er.

Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sagte, „wenn wir uns anschauen, welche Ziele wir erreichen müssen, gerade was den Ausbau der Erneuerbaren angeht, dann ist das, was wir bisher geschafft haben nicht annähernd genug.“ Er wies aber darauf hin, dass Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich nach wie vor Vorreiter der Energiewende sei. Albrecht forderte den Bund auf, die notwendigen Rahmenbedingungen für das Gelingen der Energiewende zu schaffen. Um Konzepte zur Nutzung von Stromüberschüssen weiterentwickeln zu können, brauche es unter anderem eine Reform der Steuern und Abgaben, damit erneuerbarer Strom nicht länger stärker belastet wird als fossile Brennstoffe. CO2 brauche endlich ein Preisschild.

Albrecht stellte zudem die Bedeutung der Digitalisierung zum Gelingen der Energiewende heraus. „Gerade der Bereich der Digitalisierung muss stärker in die Wahrnehmung auch der Energiewirtschaft kommen.“ Stromhandel und Netzbetrieb müssten intelligent automatisiert werden, um Anlagen aufeinander abzustimmen und Abregelungen zu vermeiden. „Wir brauchen ein digitales Steuerungssystem für den gesamten Strommarkt.“ Nach Ansicht des Ministers eröffneten sich durch die Digitalisierung auch zahlreiche neue Geschäftsmodelle im Energiebereich. „Die Digitalisierung kann entscheidend zum Gelingen der Energiewende in Deutschland beitragen.“

Quelle: n-tv.de